PRP bei Haarausfall – was die Eigenbluttherapie leisten kann
Von Dr. med. Dominik Schlarb, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie · Praxisklinik am Germania Campus, Münster
Haarausfall verunsichert – und die Suche nach einer wirksamen, gut verträglichen Behandlung führt viele Betroffene früher oder später zu PRP. Bei der Eigenbluttherapie wird aus einer kleinen Blutprobe plättchenreiches Plasma gewonnen und gezielt in die Kopfhaut eingebracht. Was steckt dahinter, was zeigen die Studien, und für wen ist das Verfahren sinnvoll? In diesem Beitrag ordnen wir PRP bei Haarausfall ärztlich fundiert ein – vom Wirkprinzip über die Diagnostik bis zum Behandlungsablauf. Alle Details zum Verfahren in unserer Praxis finden Sie auf der Seite Eigenbluttherapie (PRP) in Münster.
Was ist PRP und wie wird es hergestellt?
PRP steht für plättchenreiches Plasma (platelet-rich plasma), ein Konzentrat aus körpereigenem Blut. Es wird nichts Fremdes zugeführt: Körpereigenes Material wird aufbereitet und an anderer Stelle wieder eingebracht. Genau das macht die Eigenbluttherapie für viele Patientinnen und Patienten so attraktiv.
Gewinnung Schritt für Schritt: Zunächst wird Blut aus einer Armvene entnommen. Anschließend wird die Probe in einem speziellen Gerät zentrifugiert, sodass sich die Bestandteile nach ihrer Dichte trennen. Der Plasmaanteil mit der höchsten Konzentration an Blutplättchen wird abgetrennt und für die Injektion vorbereitet. Die Plättchenkonzentration erreicht dabei meist das Drei- bis Sechsfache des Ausgangswerts (Orthinform).
Warum die Herstellung entscheidend ist: Qualität und Konzentration des Plasmas hängen von Gerät, Protokoll und Sorgfalt ab. Protokolle unterscheiden sich in Zentrifugationsdauer, Umdrehungszahl und angestrebter Plättchenkonzentration – ein wesentlicher Grund, warum Ergebnisse zwischen Anbietern variieren. In unserer Praxis arbeiten wir mit einem standardisierten, sterilen Aufbereitungssystem und geschultem Personal.
Abgrenzung: Nicht jede „Eigenblutbehandlung“ ist PRP. Der Begriff Eigenbluttherapie ist eine Sammelbezeichnung; PRP ist dagegen eine definierte Zubereitung mit kontrolliertem Aufbereitungsschritt.
Wie PRP bei Haarausfall wirkt
Blutplättchen enthalten Wachstumsfaktoren wie PDGF, VEGF, TGF-β und IGF-1, die eine zentrale Rolle bei der Geweberegeneration spielen. In der Kopfhaut sollen diese Botenstoffe die Aktivität der Haarfollikel anregen, die Wachstumsphase (Anagenphase) verlängern und die Durchblutung im behandelten Areal verbessern. Das Plasma wird dazu in die obere Hautschicht injiziert, in der die Haarfollikel sitzen.
Voraussetzung für einen Effekt ist, dass die Follikel noch aktiv und nicht dauerhaft zerstört sind. Deshalb gilt: Je früher behandelt wird, desto besser die Ausgangslage. Bei vernarbten Arealen ist der Ansatz nicht sinnvoll.
Was die Studienlage zeigt
PRP bei androgenetischer Alopezie ist inzwischen Gegenstand zahlreicher Studien und mehrerer Übersichtsarbeiten und Metaanalysen. In der Gesamtschau berichten diese überwiegend eine Zunahme der Haardichte und der Haardicke gegenüber dem Ausgangsbefund bzw. Placebo bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit. Eine vielzitierte Übersichtsarbeit bewertet PRP als vielversprechende Behandlungsoption und schlägt ein strukturiertes Behandlungsprotokoll vor (Platelet-rich plasma for androgenetic alopecia).
Ehrlich gehört dazu: Die Studien sind methodisch heterogen – unterschiedliche Aufbereitungsprotokolle, Sitzungsabstände und Messmethoden erschweren den direkten Vergleich, und ein einheitlicher Herstellungsstandard fehlt bislang. Für die Praxis bedeutet das: Entscheidend sind ein validiertes Protokoll, eine saubere Indikationsstellung und eine objektive Verlaufskontrolle. Wie sich PRP im Vergleich zu medikamentösen Optionen einordnet, lesen Sie in unserem Beitrag Finasterid, Minoxidil und PRP bei Haarausfall.
Für wen PRP infrage kommt
Gute Kandidaten sind vor allem Erwachsene mit einer frühen bis mittleren androgenetischen Alopezie – also einer diffusen Ausdünnung bei noch erhaltenen, aktiven Follikeln, typischerweise an Oberkopf, Scheitel, Tonsur oder Schläfen. Besonders interessant ist PRP für Menschen, die eine medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen möchten oder für die bestimmte Medikamente nicht infrage kommen. Auch bei diffusem Haarausfall kann PRP – nach Abklärung und Behandlung möglicher Ursachen – ein wertvoller Baustein sein.
Weniger geeignet ist PRP bei narbigen Alopezien, bei akut entzündlichen Kopfhauterkrankungen und bei unklarer Ursache. Bei kreisrundem Haarausfall steht zunächst die leitliniengerechte Diagnostik im Vordergrund (S3-Leitlinie Alopecia areata, AWMF).
Kontraindikationen, die vorab geprüft werden: Gerinnungsstörungen, Einnahme von Blutgerinnungshemmern, aktive Infektionen im Behandlungsareal, Erkrankungen der Blutbildung, bösartige Erkrankungen in der Vorgeschichte sowie Schwangerschaft und Stillzeit.
Diagnostik zuerst: Blutwerte und Haaranalyse
Ob PRP für Sie sinnvoll ist, entscheidet der Befund. In unserer Haarsprechstunde gilt deshalb die Reihenfolge: zuerst die Diagnose, dann die Therapie.
- Kopfhautbefund und digitale Haaranalyse: Haardichte, Haardurchmesser, Ausdünnungsmuster, Follikelstatus und Entzündungszeichen werden mit der Trichoskopie erfasst und dokumentiert. Mehr dazu im Beitrag Haaranalyse mit TrichoLab.
- Laborwerte: Eisenstatus inkl. Ferritin, Blutbild, Vitamin D, Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4), bei Bedarf Zink und bei Frauen der Hormonstatus. So werden behandelbare Ursachen erkannt und vor der PRP-Behandlung korrigiert – mehr zu unseren Blutwertanalysen.
- Anamnese: Familienanamnese, Beginn und Verlauf, Begleiterkrankungen, Medikamente, Ernährung und Belastungsphasen.
Diese Differenzialdiagnostik trennt androgenetische Alopezie von Telogeneffluvium, Alopecia areata, Narbenalopezien oder Mangelzuständen – und stellt sicher, dass PRP dort eingesetzt wird, wo es seine Stärken ausspielen kann.


Ablauf, Verträglichkeit und unser Fazit
Der Behandlungsablauf Schritt für Schritt
- Beratungsgespräch: Befund, realistische Ziele, Alternativen und Kombinationsmöglichkeiten werden ausführlich besprochen. PRP wird in unserer Praxis als Selbstzahlerleistung nach GOÄ abgerechnet; die Kosten klären wir transparent vor Behandlungsbeginn.
- Diagnostik und Fotodokumentation: Kopfhautbefund, Laborwerte und Anamnese werden zusammengeführt, der Ausgangsbefund wird standardisiert fotografisch dokumentiert.
- Blutentnahme und Aufbereitung: Eine kleine Menge venöses Blut wird entnommen, zentrifugiert und das plättchenreiche Plasma steril abgetrennt.
- Injektion in die Kopfhaut: Das Plasma wird mit feinen Injektionen in die betroffenen Areale eingebracht. Auf Wunsch kommen Kühlung oder örtliche Betäubung zum Einsatz. Eine Sitzung dauert in der Regel unter einer Stunde.
- Verlaufskontrolle: Üblich ist eine Serie mehrerer Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen, gefolgt von Auffrischungen nach Befund. Kontrolltermine mit Fotovergleich und Haardichtemessung machen den Verlauf objektiv sichtbar.
PRP lässt sich gut mit anderen Bausteinen kombinieren – etwa mit einer topischen oder medikamentösen Basistherapie, einer Mesohair-Behandlung oder gezielten Infusionstherapien mit Mikronährstoffen bei nachgewiesenem Mangel. Welche Kombination passt, lesen Sie auch im Beitrag Haarausfall: Mesohair, TrichoLab oder PRP?
Verträglichkeit, Nebenwirkungen und Grenzen
Da ausschließlich körpereigenes Material verwendet wird, gilt PRP als sehr gut verträglich; allergische Reaktionen auf das Plasma selbst sind praktisch ausgeschlossen. Häufige, meist vorübergehende Reaktionen sind Druckschmerz, Rötung, Schwellung, Spannungsgefühl oder kleine Blutergüsse an den Einstichstellen, die sich innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen zurückbilden. Seltene Komplikationen wie Infektionen werden durch steriles Arbeiten in einer medizinisch geführten Umgebung minimiert.
Zu den Grenzen gehört: Bei stark veränderten oder vernarbten Follikeln ist kein Nutzen zu erwarten, und das individuelle Ansprechen ist unterschiedlich. Ein Behandlungserfolg kann – wie bei jeder medizinischen Behandlung – nicht garantiert werden. Deshalb vereinbaren wir klare Ziele und Kontrollzeitpunkte.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Anlass zur Abklärung geben eine diffuse Ausdünnung, lichte Stellen am Oberkopf oder an den Schläfen, ein plötzlich verstärkter Haarverlust sowie Juckreiz, Brennen, Schuppung oder vernarbende Bereiche. Je früher die Ursache geklärt ist, desto mehr Follikel lassen sich erhalten – und desto besser sind die Voraussetzungen für eine PRP-Behandlung.
Häufige Fragen zu PRP bei Haarausfall
Hilft PRP bei Haarausfall?
Bei geeigneter Indikation – vor allem bei früher bis mittlerer androgenetischer Alopezie – zeigen Studien überwiegend eine Verbesserung von Haardichte und Haarqualität bei sehr guter Verträglichkeit. Die Ergebnisse sind individuell unterschiedlich; eine sorgfältige Diagnostik erhöht die Erfolgsaussichten.
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Üblich ist eine Initialserie mehrerer Sitzungen im Abstand von etwa vier Wochen, anschließend Auffrischungen nach Befund. Den genauen Plan legen wir individuell fest und überprüfen ihn anhand standardisierter Fotos.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Injektionen sind spürbar, werden aber mit Kühlung oder örtlicher Betäubung von den meisten Patientinnen und Patienten gut toleriert.
Welche Risiken bestehen?
Meist nur vorübergehende Reaktionen an den Einstichstellen. Seltene Komplikationen werden durch sterile Aufbereitung und ärztliche Durchführung minimiert. Kontraindikationen wie Gerinnungsstörungen klären wir vorab.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
PRP bei Haarausfall ist in der Regel eine Selbstzahlerleistung und wird nach GOÄ abgerechnet. Die Kosten besprechen wir transparent im Beratungsgespräch.
Ist PRP für jeden geeignet?
Nein. Entscheidend sind Diagnose, Follikelstatus, Begleiterkrankungen und Medikamente. Ob PRP in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir in der Haarsprechstunde.
Fazit: PRP ist eine sinnvolle, gut verträgliche Option – mit der richtigen Diagnose
PRP nutzt die regenerativen Eigenschaften des eigenen Blutes, ist sehr gut verträglich und zeigt in der Mehrzahl der Studien positive Effekte auf Haardichte und Haarqualität. Damit ist die Eigenbluttherapie bei früher bis mittlerer androgenetischer Alopezie eine sinnvolle und empfehlenswerte Behandlungsoption – allein oder als Ergänzung zu einer medikamentösen Basistherapie.
Ihre Stärken spielt PRP vor allem dann aus, wenn sie Teil eines durchdachten Konzepts ist: gesicherte Diagnose, korrigierte Mangelzustände, ein validiertes Aufbereitungsprotokoll und eine objektive Verlaufskontrolle. Genau so setzen wir PRP in der Praxisklinik am Germania Campus ein.
Sie möchten wissen, ob PRP für Sie infrage kommt? Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Haarsprechstunde oder informieren Sie sich vorab über die PRP-Behandlung in Münster.
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